Naschen mit Diabetes

„Diabetes ist ein Teil von mir, aber er definiert mich nicht“ - wenn Backen mit Diabetes zur Leidenschaft wird

Anne Seubert Als Anne Seubert zum ersten Mal vom Beruf „Kekstester“ hörte, war für sie sofort klar: Das ist meine Berufung! Gesagt, getan – seither bloggt die Berlinerin regelmäßig unter www.kekstester.de über süße und herzhafte Leckereien aus dem Backofen. Dass ihr Diabetes dieser Leidenschaft für Kekse nicht im Weg steht, zeigen ihre zahlreichen und kreativen Rezeptideen, bei denen sie nur selten strikten Rezepten folgt. „Am liebsten kreiere ich Rezepte um Zutaten herum, wie zum Beispiel um das aroma-tische Salbei, auf das ich im letzten Griechenland-Urlaub gestoßen bin“, erzählt sie. An Inspiration dafür mangelt es ihr nicht - ganz im Gegenteil: Gerne greift sie dann auch auf außergewöhnliche Zutaten zurück, die nicht in jedem klassischen Keksrezept zu finden sind.

Doch bevor ihre selbstentworfenen Kreationen mit frischen oder getrockneten Früchten, Gin oder diversen Nüssen in aller Munde sind, muss auch die Backexpertin ein paar missglückte Backversuche meistern, bis sie ein Foto auf ihrem Blog posten kann. Umso schöner, wenn ihr ausgefallene und neue Rezepte gelingen – wie kürzlich, als Anne Seubert süße Mini-Burger aus dem Backofen zog. „Eigentlich bin ich kein Fan von kleinteiligen Arbeiten, am liebsten sind mir Rezepte, die in drei Schritten gelingen“, verrät sie. „Aber als mir die süßen Burger mit Schokoladenganache, Minze und Erdbeermarmelade gelungen sind, war ich unglaublich stolz auf mich.“ Stolz ist sie auch darauf, parallel zu ihrer Leidenschaft fürs Backen ihren Diabetes im Blick behalten zu können. Für sie steht fest: „Je mehr ich mit mir und meinem Leben im Reinen bin, desto entspannter sind auch meine Blutzuckerwerte. Stundenlang über meinen Werten zu brüten, hat mir persönlich nicht weiter geholfen; genauso wenig wie ein schlechtes Gewissen.“ Kekse sind aber auch für sie keine tägliche Delikatesse. „Backen und Keksgenuss sind für mich wichtige Lebensqualität, die ich in Maßen und nicht in Masse genieße“, erzählt Seubert.
Die Botschaft und ihr Ziel, das Leben selbstbestimmt und zu 100 Prozent auszukosten, liegt ihr insbesondere für andere Menschen mit Diabetes am Herzen. Aus diesem Grund macht sie auch bewusst keine Unterschiede in ihren Rezepten. Zuckerfreie Diätkekse sind auf ihrem Blog tabu. „Mein Diabetes ist nur Teil von mir, aber er definiert mich nicht“, erklärt sie. Ihre Leser – vor allem diejenigen mit Diabetes – danken es ihr mit ihrem positiven Feedback. „Manchmal erreichen mich sogar Fotos von meinen Lesern, wenn sie meine Rezepte nachgebacken haben“, erzählt sie. „Noch mehr freut es mich aber, wenn meine Rezepte als Inspiration genutzt und weiterentwickelt werden.“ Mit ihren eigenen Ideen ist sie auch noch längst nicht am Ende: „Ich habe eine ganz lange Liste an Rezepten, die ich testen möchte. Momentan reizt mich vor allem die asiatische Küche, da möchte ich noch vieles ausprobieren“, verrät sie.

Appetit bekommen? Wer sich wie Anne Seubert an neuen Rezepten versuchen möchte, für den hält die Kekstesterin vier goldene Regeln bereit:

  • Ausreichend Zeit fürs Backen nehmen – Kekse vertragen keinen Stress!
  • Gute Vorbereitung ist alles – die Zutaten sollten alle vorhanden und entsprechend dem Rezept präpariert werden.
  • Kekse vom warmen Bleck direkt auf eine kühle Unterlage befördern – dann backen sie nicht nach.
  • Viel Vanille dazugeben – das tut jedem Keksteig gut.

Für Ascensia Diabetes Care hat Anne Seubert außerdem ihre drei liebsten Rezepte für die Weihnachtszeit zusammengestellt. Die Anleitungen für Rentierkekse, falsche Butterbrote und Schokocrackles finden alle Naschkatzen hier:

Zutaten:
200g crunchige Erdnussbutter
180g braunen Zucker
100g Butter (bei mir reichten 80g)
Mark einer Vanilleschote
1 EL Milch
1 Ei
0,5 TL Backpulver
0,5 TL Salz
250g Mehl
und Salzbrezeln, Mini-Smarties und Espressobohnen für Augen, Ohren und Nase für etwa 35 Rentier-Cookies

Die Zubereitung:
(1) In einer Schüssel Erdnussbutter, Zucker, Vanille, Butter und Milch gut vermengen und schließlich auch das Ei unterrühren. Dann Mehl, Backpulver und Salz zugeben. Die Teigmasse zu einer 3-4cm dicken Wurst formen, diese au drei Seiten platt drücken, so dass eine dreieckige Grundform entsteht und für mindestens 30 Minuten kühl stellen.

(2) Ofen auf 180°C vorheizen, Backblech mit Backpapier belegen und von der dreieckigen Wurst 0,5cm dicke Scheiben abschneiden. Mit den Fingern nötigenfalls in Form bringen und mit etwas Abstand aufs Backblech legen. Für 7-8 Minuten backen, die Kekse sollten nur leicht braun werden.

(3) Während die Cookies im Ofen sind, gilt es alles für die Deko vorzubereiten, gegebenenfalls die roten M&Ms raussortieren, denn sobald die Kekse aus dem Ofen sind, muss alles ganz schnell gehen. Zuerst die Öhrchen eindrücken, dann als Nase in die gegenüberliegende Spitze einen roten Smartie drücken. Zuletzt für die Augen jeweils zwei Espressobohnen einsetzen. Jetzt gilt es nur noch, sich in etwas Geduld zu üben, bis die Kekslein gänzlich ausgekühlt sind.

Zutaten für knapp 2 Bleche:
80g Butter, zimmerwarm
125 g Puderzucker
1 Ei
125g Schokolade, gute dunkle und gerieben
125g Haselnüsse, geröstet und gemahlen
125g Mehl
1/4 TL Zimt
Salz
2 Eigelb
das Mark einer Vanillestange
6 großzügige EL Puderzucker
Pistazien, gehackt

Zubereitung:
(1) Zucker, Mehl, Schokolade, Nüsse und Salz zusammen mit der Butter und dem Ei zu einem feuchten Teig vermengen. Teig halbieren und zwei Quader (etwa 2cmx2cmx20cm) formen. Diese Quader entweder über Nach in den Kühlschrank oder für eine Stunde in den Tiefkühler stellen.

(2) Ofen auf 175°C vorheizen, die Quader in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Die Scheiben mit etwas Abstand auf backpapiernes Bleche legen.

(3) Während die Kekse backen, den Puderzucker mit den Eigelben und dem Vanillemark sorgfältig aufschlagen, bis sich eine dickflüssige, weißliche Masse bildet.

(4) Sobald die Plätzchen aus dem Ofen sind, gilt es, sie mit Hilfe eines Messers, umzudrehen und mit der „Butter“ zu bestreichen und die gehackten Pistazienkerne, den „Schnittlauch“ draufzustreuen.

(5) Zuletzt die Bleche zurück in den ausgeschalteten, aber noch heißen Ofen stellen und dort belassen, bis der Ofen abgekühlt und die „Butter“ gestockt ist.

Zutaten:
230g dunkle Schokolade, von der guten
20g Ciobar und 40g Kakao (oder 60g gutes Kakaopulver)
1 Mark einer Vanilleschote
125g Mehl, weißes
2 TL Backpulver
1 Messerspitze Salz
100g Butter, zimmerwarm
250g brauner Zucker
2 Eier
80ml Milch
200g Puderzucker

Zubereitung:
(1) Schokolade im Wasserbad schmelzen und abkühlen lassen. Butter und braunen Zucker mit dem Mixer schaumig schlagen, dann Eier und Vanille unterrühren und schließlich die geschmolzene Schokolade. Zum Schluss Mehl, Kakao, Backpulver, Milch und Salz vorsichtig unterheben. Nur so viel Milch zugeben, wie es sich gut anfühlt. Der Teig wird ziemlich (!) matschig.

(2) Sich nicht von der Konsistenz irritieren lassen, sondern die Masse in Klarsichtfolie gepackt (oder im Gefrierbeutel) für etwa 2 Stunden ins Gefrierfach geben.

(3) Den Puderzucker in eine Schüssel geben, den Backofen auf 170° C vorheizen, zwei Backbleche mit Backpapier belegen. Jetzt gilt es schnell zu arbeiten: Den Teig in etwa walnussgroße Portionen teilen und diese mit den Handflächen zu Kugeln formen. Kugeln im Puderzucker so lange wälzen, das sie rundum gut bedeckt sind und die (Schnee-)Kugeln dann mit ausreichend Abstand auf das Blech legen.

(4) Nicht zu viel Teig naschen! Die fertigen Kekse schmecken noch besser, versprochen! Nach etwa 12-15 Minuten sollten aus den Kugeln Crackles geworden sein – wunderhübsch anzuschauen, intensivst schokoladig duftend und mit dem ersten Biss süchtig machend!

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